26. Februar 2019

Mobike-App – So leicht zu bedienen wie Fahrrad zu fahren?

Mobike-App im Usability- und Security-Test

Man sieht sie inzwischen an jeder Ecke stehen, die orange-silbernen Zweiräder des chinesischen Leihfahrrad-Anbieters Mobike. Im Gegenzug zu den gelben O-Bikes scheint sich das Mobike in deutschen Großstädten wie Berlin, Frankfurt am Main und Hannover beständig integriert zu haben. Über eine bei iOS als auch bei Android verfügbare mobile App, lassen sich die Fahrräder reservieren, entsperren und nutzen. Innerhalb der App kann der Nutzer sich außerdem seine gefahrene Strecke in Kilometern und Minuten, die verbrauchten Kalorien und das gesparte CO2 ansehen. Ob die App genauso leicht funktioniert wie das Fahrradfahren selbst und auch hinsichtlich Datenschutz und –sicherheit gut aufgestellt ist, haben wir in einem Usability- und Security-test getestet.

Usability der Mobike-App

Design:Ausreichend

Auf den ersten Blick erscheint die App in einem einheitlichen Design aus orange, grau und schwarz. Gerade die Startseite als auch die Menüstruktur sind schlicht und übersichtlich gehalten. In der Tiefe leidet das Design ein wenig. Es wird schnell deutlich, dass das Layout nicht auf allen Ebenen gleichermaßen detailliert umgesetzt wurde.
Negativ fallen vor allem fehlerhafte Übersetzungen auf. An mehreren Stellen sind in der Android-App Texte auf Chinesisch. Auch Unterpunkte inklusive Navigation dorthin lassen sich teilweise nur auf Englisch finden. In der iOS-Version ist nur an einer Stelle chinesische Schrift verwendet. Dafür werden die Ausgaben in Eurobeträgen nicht mit dem dazugehörigen Währungszeichen Euro angezeigt, sondern mit dem chinesischen Renminbi.

Aufbau: Ausreichend

Ähnlich zur Beständigkeit des Designs verhält sich auch der Aufbau der App. Die Hauptfunktionen sind direkt zu erfassen. Auf der Startseite kann der Nutzer sofort sehen, welche Fahrräder und Parkplätze zur Verfügung stehen und die wichtigsten Funktionen in dem Zusammenhang mit nur einem Klick erreichen. Über das Menü kann er sein Guthaben, seine Gutscheinen und seine Fahrten schnell und detailliert einsehen. Ebenso lässt sich über den Startbildschirm direkt zum Kundenservice navigieren, um im Falle eines defekten Fahrrads oder problematischer Nutzung unkompliziert und schnell Bescheid geben zu können.
Möchte der Nutzer jedoch weiterführende Informationen erhalten, muss er tief graben. Manche Menü-Punkte sind falsch verlinkt und Inhalte an Positionen versteckt, an denen Nutzer sie nicht intuitiv vermuten. Beispielsweise liegt die Datenschutzerklärung unter der Rubrik „Hilfe“ –> „Kundendienst“. Ebenso sind viele Inhalte über verschiedene Ebenen verschachtelt, sodass der Nutzer von Unterpunkt zu Unterpunkt springt, um zu den gewünschten Inhalten zu gelangen.

Funktionen: Gut

Funktional hat die App sich nicht zu schämen. Zusätzlich zu den regulären Features wie das Reservieren, Freischalten und Abschließen des Rades punktet die App mit kleinen hilfreichen Extras. Eines davon ist zum Beispiel das Einschalten der Taschenlampe über einen Klick vor dem QR-Code-Scan, was das Öffnen einer zusätzlichen Taschenlampen-App im Dunkeln überflüssig macht. Außerdem zeigt die App auf der Karte den Bereich reaktiv an, aus dem die Räder nicht hinaus bewegt werden sollten, wenn der Nutzer in der Karte zu weit rauszoomt. Streckenverläufe, Kosten, aufgeladene Beträge und sogar abgegebenes Feedback an den Kundendienst lassen sich im Nachhinein detailliert einsehen. Über das Sprechblasensymbol oben links auf der Startseite zeigt die App außerdem Neuigkeiten und Änderungen in ihren Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen an. Schade für Familien, Gruppen oder Paare ist allerdings, dass ein Mobike-Account das Ausleihen nur eines Fahrrades zulässt und sich dadurch jede Person einen eigenen Account einrichten muss.

Performance: Gut

Grundsätzlich performt die App gut. Längere Ladezeiten entstehen nur in den tieferen Ebenen, wenn die App Fotos oder die Karte lädt, auf der sie die gefahrenen Strecken dokumentiert. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass gleichzeitig zwei Kartendienste in die App integriert wurden (Google Maps und Here Maps). Nachteilig ist, dass die App den Akku-Verbrauch des genutzten Gerätes stark erhöht.

Sicherheit der Mobike-App

Wir haben in einem ausführlichen Datenschutz- und Sicherheitstest im Labor die Mobike-App noch genauer angesehen. Aufgefallen sind vor allem viele unverschlüsselte Verbindungen zwischen der App und den Mobike-Servern. Neben der Kennung des Leihfahrrads werden auch genaue Standortdaten ungeschützt versendet. Auch Drittanbieter versorgte die App während unseres Tests umfangreich mit Daten: Die iOS-Version versendet den Gerätenamen, die Android-App sogar die Seriennummer. Auch Informationen über die Netzwerkverbindung teilt die Mobike-App mit Dritten. Die WLAN SSID und MAC-Adresse sowie die lokale IP-Adresse gelangen dadurch in fremde Hände.

Fazit

Mobike bietet wie viele andere Leihfahrradanbieter Großstädtern und Touristen eine gute Alternative, schnell und günstig von A nach B zu gelangen. Dass für die einfache Abwicklung eine App benötigt wird, ist unausweichlich. Leider ist hier bei der deutschen Version der Mobike-App noch Luft nach oben. Mobike erhält in der Gesamtwertung von APPVISORY nur ein „Ausreichend“, da der Aufbau das Nutzererlebnis beeinträchtigt und die notwendige Datensicherheit nicht gegeben ist.

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