17. Oktober 2016

Was WhatsApp und Facebook „heimlich“ miteinander teilen und für sich nutzen

Mit dem Entfernen eines Häkchens soll man dem Datenaustausch zwischen Facebook und WhatsApp widersprechen können. Die Handynummer der WhatsApp User erhält Facebook trotzdem – warum und welche Konsequenzen das hat, zeigt unser Artikel.

Der Social Media-Gigant und der Messenger Dienst tauschen fortan Nutzerdaten aus, indem Facebook Zugriff auf die Telefonnummern aller WhatsApp-Nutzer erhält. Der Protest in den Medien und bei den Nutzern war in den vergangenen Wochen groß – hatte Facebook bei der Übernahme doch versprochen, dass ein Datenaustausch nicht stattfinden würde.

Gleichzeitig bot Facebook die scheinbar einfache Lösung an, um dem Datenaustausch zu widersprechen: Durch das Entfernen eines Häkchens in der Datenschutzerklärung des Messengers soll die Weitergabe verhindert werden. Dass das ein Trugschluss ist, zeigt der genaue Wortlaut der Datenschutzerklärung: „Sind Sie sicher, dass Sie Ihre WhatsApp-Account-Informationen nicht verwenden möchten, um Ihre Erlebnisse auf Facebook zu verbessern?“

Hier wird klar: Facebook bekommt in jedem Fall Eure Telefonnummer. Was genau unter „Erlebnisse auf Facebook zu verbessern“ zu verstehen ist, erfährt man aus den Nutzungsbedingungen. Hier steht: „(…) um deine Facebook-Werbung und Produkterlebnisse zu verbessern“. Demnach hat man lediglich die Möglichkeit zu widersprechen, dass die eigene Handynummer genutzt wird, um personalisierte Werbung auf Facebook zu erhalten.

Bekanntlich gelten in Deutschland sehr strenge Richtlinien bezüglich Datenspeicherung und –nutzung. Grundsätzlich sind diese nur nach eindeutiger Zustimmung durch den Nutzer gestattet. Im Fall der Datenkrake Facebook ist dies nicht geschehen – somit liegt ein eindeutiger Verstoß vor, der vom Hamburger Datenschutzbeauftragten Prof. Dr. Johannes Caspar deklariert wurde.

Facebook speichert meine Handynummer, ja und?
Inzwischen gehören viele Unternehmen wie WhatsApp und Instagram zur Facebook Gruppe. Das nutzt Facebook, um die durch die verschiedenen Plattformen generierten User-Informationen zu sammeln und Nutzerprofile zu erstellen. Ein mögliches Szenario: Die Erstellung von eindeutigen Profilen kann von Firmen genutzt werden, um die Zahlungsfähigkeit von Nutzern einzuschätzen.

Durch die Zusammenführung von Nutzerdaten mit der Telefonnummer ist Anonymität im Netz kaum mehr zu wahren. Unternehmen wie Facebook nutzen die Erkenntnisse über jeden einzelnen Nutzer vor allem für personalisierte Werbung. Der Vorteil: jeder Nutzer erhält seinen Interessen und Suchanfragen entsprechende Werbung und somit wertvolle Kaufimpulse. Der Nachteil: die personalisierte Werbung für ein konkretes Produkt erfolgt häufig und über mehrere Wochen. Der „gläserne User“ steht im klaren Konflikt mit der schützenswerten Identität der Nutzer.

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