Wie fair sind Sportschau & Co.?
Die WM 2026 startet diese Woche und die Vorfreude der Fans steigt von Tag zu Tag. Gespannt blicken sie auf die anstehenden Länderspiele – und rüsten sich dafür häufig schon vorab mit passenden WM-Apps aus. Diese bieten einen klaren Vorteil: Spielpläne und Ergebnisse sind jederzeit und überall griffbereit, so dass Fußballbegeisterten während des Turniers nichts entgeht. Viele Sportinteressierte haben entsprechende Apps bereits installiert, andere erwägen den Download spätestens zum Eröffnungsspiel.
Doch wie sind die WM-Apps datenschutztechnisch aufgestellt? Die Sicherheitsexperten von Appvisory haben die beliebtesten Apps für die WM 2026 im Vorfeld geprüft – mit Blick darauf, ob sie auch im Umgang mit Nutzerdaten Fair Play beweisen.
FIFA World Cup 2026™
FIFA World Cup 2026™ ist die offizielle App des Weltfußballverbandes FIFA und der diesjährigen WM 2026. Die App bietet neben umfangreichen Statistiken einen Spielplan und einen Live-Ticker zu allen WM-Spielen. Sie ist aktuell für iOS und Android (jeweils Version 3.0.1) verfügbar.
In beiden App-Versionen konnte APPVISORY die Integration diverser Drittanbieter-Dienste für Tracking-, Analyse- und Engagement-Zwecke feststellen. Die Kombination aus Marketing-, Attributions– und Engagement-Tracking erfasst eine erhebliche Datenmenge, die an die entsprechenden externen Dienste übermittelt wird. Die App fordert zudem vergleichsweise viele Geräteberechtigungen an. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass die hinterlegten Begründungen durchgehend nachvollziehbar und transparent formuliert sind. Für jede angeforderte Berechtigung wird den Nutzer:innen klar dargelegt, zu welchem Zweck der jeweilige Zugriff benötigt wird. Dies steht im Einklang mit den Plattform-Guidelines von Apple bzw. Google, weshalb hier, anders als bei vergleichbaren Analysen, kein Klärungsbedarf besteht.
Sportschau-App
Längst nicht mehr nur als Sportsendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen informiert die „Sportschau“ über aktuelle Ereignisse aus der Welt des Sports – auch mobil hält sie Fans rund um die WM 2026 auf dem neuesten Stand. Die Sportschau-App versorgt ihre User:innen mit den wichtigsten Meldungen, einem umfassenden WM-Spielplan sowie Live-Streams der einzelnen Partien. So verpassen Fans auch unterwegs kein Tor. Sie steht iOS- und Android-Nutzer:innenin der Version 3.24.0 zur Verfügung.
Die Tests haben ergeben, dass beide Plattformen identische Merkmale aufweisen und die App einen überraschend hohen Umfang an Tracking- und Analyse-Diensten einbindet, was gerade für das Angebot eines öffentlich-rechtlichen Senders ungewöhnlich ist. Auffällig ist dabei besonders die Nutzung des US-amerikanischen Dienstes Sentry.io zur Fehlerüberwachung. Da hierbei Daten außerhalb der EU verarbeitet werden, ist der Einsatz im Hinblick auf die DSGVO datenschutzrechtlich kritisch zu hinterfragen. Positiv ist zu bewerten, dass die App nur wenige Geräteberechtigungen anfordert und beispielsweise den Zugriff auf das lokale Netzwerk gut und nachvollziehbar begründet. Allerdings verlangt sie auch Zugriff auf den Standort der Nutzer:innen, ohne dafür eine Erklärung zu hinterlegen. Da dies gegen die Richtlinien von Apple und Google verstößt, besteht hier dringender Nachbesserungsbedarf seitens der Entwickler.
kicker App (Fußball News)
Kicker ist vielen als renommierte Sportzeitschrift des Olympia-Verlags bekannt. Neben WM-News in analoger Form informiert kicker die Nutzer:innen mobil über alle wichtigen Ereignisse rund um die WM 2026 in der gleichnamigen App. Sowohl in der iOS- (v 7.11) als auch in der Android-Version (v 7.11.3) konnten die Analysten ein einheitliches Bild feststellen, sodass die Befunde für beide Plattformen gleichermaßen gelten.
Die Tests haben ergeben, dass beide App-Versionen eine sehr große Anzahl an Tracking-, Analyse- und Werbe-Diensten einbinden. Im Einzelnen wurden Verbindungen zu einer Vielzahl externer Dienstleister identifiziert, darunter Xplosion (Marketing), Firebase Analytics (Nutzungsanalyse), Facebook Analytics, sowie die Werbenetzwerke AppNexus/Xandr und Google DoubleClick. Diese enorme Häufung an Werbe- und Reichweitennetzwerken stellt eine umfangreiche Datenerhebung dar. Auch wenn ein werbefinanziertes Medienangebot ein gewisses Maß an Tracking erwartbar macht, ist dieser weitreichende Umfang im Hinblick auf das Prinzip der Datensparsamkeit sowie unter DSGVO-Gesichtspunkten kritisch zu bewerten. Positiv hervorzuheben ist dagegen der Umgang mit Geräteberechtigungen: Die App fordert nur eine überschaubare Anzahl an Zugriffen auf das Smartphone an. Zudem sind alle hinterlegten Begründungen durchgehend verständlich, korrekt und nachvollziehbar formuliert. Den Nutzer:innen wird bei jeder Abfrage transparent angezeigt, wozu der Zugriff benötigt wird. Dies steht im vollen Einklang mit den Richtlinien von Apple und Google, weshalb in diesem Bereich kein Klärungsbedarf besteht.
TorAlarm (WM 2026)
Die TorAlarm GmbH ist bekannt für ihre besonders schnellen Tor-Benachrichtigungen. Mit der spezialisierten App TorAlarm (WM 2026) bietet das Unternehmen Fußballfans eine einfache und effiziente Möglichkeit, während der Weltmeisterschaft in Echtzeit über jedes Tor und alle wichtigen Ereignisse informiert zu bleiben. Die App ist für iOS und Android (jeweils in der Version 7.3.4) verfügbar.
Da die Analyse beider Plattformen ein völlig identisches Bild ergibt, gelten die folgenden, sehr kritischen Befunde für beide Betriebssysteme gleichermaßen. Der Schweregrad der Datenschutz- und Sicherheitsprobleme wird hier deutlich höher eingestuft. Beide App-Versionen integrieren eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Tracking-, Analyse- und Werbe-Diensten. Identifiziert wurden unter anderem Google Analytics, AppNexus/Xandr, Google DoubleClick, Facebook Analytics sowie Microsoft Ads und viele mehr. Diese enorme Häufung von Werbe–netzwerken führt zu einer massiven Datenerhebung, die weit über das für die Kernfunktionalität der App erforderliche Maß hinausgeht. Erschwerend kommt hinzu, dass die App eine auffällig hohe Anzahl an Geräteberechtigungen anfordert – darunter Zugriffe auf Kalender, Standort, Kamera, Bluetooth und die Fotogalerie. Da nahezu keine dieser Berechtigungen für einen reinen „Tor-Alarm“ technisch notwendig ist, liegt die Vermutung nahe, dass diese Zugriffe primär dazu dienen, Nutzerprofile anzureichern und noch gezielter Werbung auszuspielen. Dieses systematische Sammeln von Daten widerspricht dem Grundsatz der Datensparsamkeit sowie den Richtlinien von Apple und Google eklatant. Seitens des Anbieters besteht hier erheblicher Nachbesserungsbedarf.
WM-Apps im Datenschutz-Check: Zahlen wir für die Bequemlichkeit mit unserer Privatsphäre?
Die Verwendung der WM-Apps empfehlen die Experten von mediaTest digital unter Vorbehalt. Zwar bieten die Anwendungen eine komfortable Möglichkeit, die WM 2026 zeit- und ortsunabhängig zu verfolgen, doch der Preis für diesen Service ist ein weitreichender Eingriff in die Privatsphäre der Verbraucher:innen.
Die Analyse zeigt, dass sämtliche geprüften Apps im Hintergrund intensive Tracking- und Analysedienste nutzen, wodurch sensible Daten häufig an Drittanbieter und Werbenetzwerke in den USA fließen. Besonders kritisch bewerten die Experten den Umstand, dass einige Anwendungen weitreichende Geräteberechtigungen (wie den Zugriff auf Standort, Kamera oder Fotos) einfordern. Diese Zugriffe sind für die eigentliche Kernfunktion – die Bereitstellung von Fußball-Ergebnissen – nicht nötig. Wir hoffen, dass es die Teams bei der WM mit Fair Play ernster nehmen.

