08. August 2018

Risiko in Kinderhänden

Apps für Kinder – Welche Gefahren lauern im App-Store?

An französischen Schulen ist das Mitbringen von Smartphones, Tablets und anderen mobilen Geräten künftig verboten. Schüler bis zum Alter von 15 Jahren dürfen ausschließlich zu Unterrichtszwecken ihre mobilen Geräte mitbringen. Welches Problem liegt der Gesetzesänderung zugrunde? Und welche Gefahren drohen, wenn Kinder jederzeit und ohne Aufsicht Zugang zum Internet haben?
Laut der Kinder-Medien-Studie von 2017 nutzen ca. 84 Prozent der Zehn- bis 13-Jährigen und 37 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen ein Smartphone. Diese Zeit nutzen Kinder mit dem mobilen Begleiter häufig für Spiele, Video-Dienste, Messenger und Suchmaschinen, die meistens als Apps in den App-Stores zur Verfügung stehen. Viele Eltern halten die bunten Applikationen für weitesgehend vertrauenswürdig und sicher. Unser App-Scan beweist jedoch das Gegenteil: rund 48% aller Apps stellen ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar.

Welche Risiken bestehen konkret für Kinder bei der App-Nutzung?
Leider wird ein Großteil der „Kinder-Apps“ den besonderen Ansprüchen dieser Zielgruppe nicht gerecht. Insbesondere das reibungslose Nutzen von Spiele-Apps ist häufig mit Werbeeinblendungen, In-App-Käufen und zeitlichem Druck verbunden. Beim Spielen der App „Hay Day“ können Kinder Bonuspunkte freischalten, wenn sie bis zu 60 Sekunden lang Werbefilme anschauen.

Auch In-App-Käufe weisen ein Gefahrenpotenzial auf. Die Spiele-Entwickler von SUPERCELL nutzen bspw. bei der App „Clash of Clans“ lange Wartezeiten für Fortschritte, die den Aktionsradius der Kinder zeitlich stark einschränken. Sogenannten Gems (Juwelen) sollen über frustrierende Wartezeiten hinweg helfen. In regelmäßigen Abständen unterbreitet die App dem Spieler vermeintlich besondere „Angebote“, welche die allgegenwärtigen und lästigen Wartezeiten verkürzen. Diese Angebote bewegen sich auf einem monetären Spektrum von 99 Cent bis zu 89,99 Euro. Die Abbuchung erfolgt dann entweder über Kreditkarte, Guthaben oder den Mobilfunktarif. Wenn eine Rechnungsadresse hinterlegt ist, muss der Nutzer nur noch seine Auswahl bestätigen und erhält sofort Zugriff auf das erworbene Leistungspaket. Dementsprechend gering sind die Hürden große Geldbeträge in solche Spiele zu investieren und somit den elterlichen Geldbeutel zu belasten.

Neben finanziellen Risiken können auch anderen Gefahren Kinder betreffen. Der Verlust von Daten ist möglich; nicht nur über Tracking-Dienste, die den Standort der Kinder aufzeichnen, sondern auch über das Anlegen von Profilen und Accounts, die die Eingabe von persönlichen Daten, wie Name, Wohnort und E-Mailadresse fordern. Aus diesen Daten schlagen manche App-Betreiber Profit, indem sie diese an Werbe- und Trackingdienste übermitteln. Geschieht so eine Übertragung unverschlüsselt (nach APPVISORYs App-Analysen geschieht die unverschlüsselte Übertragung von Name, Adresse und E-Mail bei rund 10% aller Apps), haben Kriminelle die Chance, die Daten unbemerkt abzugreifen und für ihre Zwecke zu missbrauchen.

10 Tipps zum kindgerechten Umgang mit Smartphones und Apps

  1. Grundsätzlich sollten Sie ihre Kinder im Umgang mit digitalen Medien und Datenschutz schulen und ihnen die Sorgfalt im Umgang mit den eigenen Daten beibringen.
  2. Sie sollten ihre Kinder über potenzielle Gefahren aufklären. Insbesondere bei Spielen wie Pokémon Go ist es wichtig, dass Kinder die Umgebung und den Straßenverkehr im Blick behalten.
  3. Ein Blick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzerklärung ist hilf-reich. Diese sollten auf Deutsch zur Verfügung stehen und detaillierte Informationen hinsichtlich der Datenverarbeitung aufweisen.
  4. Als Hauptmaßnahme können Sie eine grundsätzliche Altersfreigabe für Apps festlegen. Dadurch lassen sich Inhalte direkt ausschließen, die nicht für Kinderaugen geeignet sind. Dies ist für iOS und Android möglich. iOS: Einstellungen -> Allgemein -> Einschränkungen -> Einschränkungen aktivieren -> Apps -> Häkchen für Altersbeschränkung setzen. // Android: Google Play Store -> Einstellungen -> Nutzersteuerung -> Filter für Inhalte.
  5. Sie sollten nur Apps von vertrauenswürdigen Anbietern installieren.
  6. Sie sollten sich über die Berechtigungen einer App informieren. Laut APPVISORYs Sicher-heitsanalysen greift rund die Hälfte aller Apps auf den Standort zu, selbst wenn dieser für die Funktionstüchtigkeit der App nicht notwendig ist. Es empfiehlt sich jegliche Ortungs-dienste zu deaktivieren.
  7. Nicht nur soziale Netzwerke bieten Fremden die Möglichkeit Kontakt mit Kindern aufzunehmen. Viele Apps haben Messenger-Funktionen integriert, die eine Kontaktaufnahme durch Fremde begünstigen. Bevor sich ein Kind eine App installiert, sollten Sie die Anwendung auf etwaige Kontakt-Optionen überprüfen.
  8. Apps schalten häufig Werbung oder verkaufen die Nutzerdaten an Werbenetzwerke und Trackingdienste. Aus diesem Grund sollten Sie ihren Kindern die Nutzung solcher Anwen-dungen untersagen.
  9. Durch In-App-Käufe können Kinder unbewusst Geld ausgeben, Kreditkarteninformationen preisgeben oder in Kostenfallen geraten. Um Kinder vor In-App-Käufen zu schützen, können Sie entweder einen Sperrcode einsetzen, um Transkationen erst bestätigen zu müssen oder grundsätzlich In-App-Käufe untersagen. iOS: Einstellungen -> Allgemein -> Einschränkungen -> Einschränkungen aktivieren -> In-App-Käufe // Android: Google Play Store -> Einstellungen -> Pin festlegen oder ändern -> Haken bei „Pin für Käufe verwenden“.
  10. Anderen App-Nutzern kann es möglich sein, den Benutzername und Standort des Kindes zu sehen. Sie sollten darauf achten, dass Kinder einen unverfänglichen/ neutralen Spieler-namen verwenden.

Fazit
Sie können Ihr Kind nicht vor allen Gefahren im Internet schützen. Umso wichtiger sind Maßnahmen zur Absicherung vor Kinder-ungeeigneten oder gefährlichen Anwendungen und Inhalten. Diese sollten jedoch nur die Aufklärung der Kinder im verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien ergänzen, nicht ersetzen. Sensibilisierung ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder wichtig, um potentielle Gefahren leichter erkennen und ihnen vorsorglich aus dem Weg gehen zu können.

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